Title: Stefan Zweig
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Stefan Zweig, Sendung und Lebenssinn

 

Foto: Residenz Verlag

Stefan Zweig (1881-1942), einstmals einer der berühmtesten deutschsprachigen Schriftsteller seiner Zeit, ist heute, leugnen wir es nicht, kaum mehr als ein Name. Seine fast unzählbaren Werke schlafen unaufgestöbert in den Bibliotheken; kaum ein einziges der einstmals weltberühmten Bücher spricht noch herüber in unsere Zeit.

Diese Worte, angelehnt an die Einleitung zu Zweigs „Erasmus von Rotterdam“, geben sehr gut das Schicksal des Autors wieder. Während Zweig in den 20er und 30er Jahren des 20. Jahrhunderts durch seine populärwissenschaftlichen Biographien (Maria Stuart, Marie Antoinette, Magellan, Sternstunden der Menschheit) einen unwahrscheinlichen Erfolg erlebte (was Neider unter seinen Kollegen zu Bemerkungen veranlasste wie: „Der Erwerbs-Zweig hat schon wieder ein Buch herausgebracht.“), ist sein Werk heute weitgehend unbekannt. Und - Ironie des Schicksals - seine einst verpönte, einfache Art des Schreibens, gilt heute bei vielen Menschen als zu schwierig zu lesen, als zu gekünstelt, zu antiquiert.

Dabei gelang es Stefan Zweig meisterhaft, in wenigen Strichen das Bild einer historischen Entwicklung über mehrere Jahrhunderte zu zeichnen (Amerigo). Er konnte auf eindringliche Weise Parallelen zwischen historischen Figuren (Fouché, Castellio) und den düsteren Akteuren der 30er und 40er Jahre ziehen. Die Beschreibung des Kampfes des Humanismus gegen alle Formen des Totalitarismus (Erasmus) hat auch heute noch ungebrochen ihre Gültigkeit. Seine Autobiografie (Welt von Gestern), sowie seine verschiedenen Novellen und Romane (Brennendes Geheimnis, Rausch der Verwandlung) prägen noch immer unser Bild der Monarchie Habsburgs.

Sein wohl wichtigstes Werk war aber sein Leben selbst. Stets um Ausgleich und Austausch zwischen den europäischen Nationen bemüht, war sein größter Verdienst ein ständiger Vermittler zu sein. Seine Villa auf dem Kapuzinerberg in Salzburg war Ort der Begegnung für Künstler aus Ö, Deutschland, Frankreich, Belgien, Italien, England und Russland. Daraus entstand auch sein unumstößliches Bekenntnis zu Europa! Einem Europa, das seine nationalen Landesgrenzen hinter sich lässt und, angeleitet durch die vorbehaltslose Zusammenarbeit der KünstlerInnen aller Nationen, vereint im humanistischen Ideal, zu einer historisch bedeutsamen Minute des Friedens und der Völkerverständigung zusammenfindet.

Dieser Traum Zweigs fand im Ansturm des Nationalsozialismus und des Faschismus sein tragisches Ende. Die Enttäuschung darüber, seine Isolation in der Emigration und die Niederlage in seinem lebenslangen Kampf gegen seine „schwarze Leber“ führten im Februar 1942 zu seinem Freitod (gemeinsam mit seiner 2. Ehefrau) im rein äußerlichen „Paradies“ in Petropolis, Brasilien.

Der Traum Zweigs erfüllte sich nach dem Krieg wenigstens zum Teil. Europa fand zu sich. Die Selbstzerfleischungen hatten ein Ende und eine heute oft geschmähte EU brachte den Völkern Europas ein goldenes Zeitalter von nun bereits mehr als 60 Jahren Frieden.

Oft aber ist der Frieden leider nur ein staatlich verordneter, kein gelebter. Noch immer ist den Menschen in den einzelnen Ländern Europas nicht bewusst, welche einmalige Chance sich bietet, könnte Europa auch anderen Weltregionen als Beispiel dienen, dass es zwischen den Völkern nicht nur einen Frieden der Köpfe, sondern auch einen Frieden der Herzen geben kann. Hier sind wieder die KünstlerInnen und Lehrenden Europas aufgerufen, durch gemeinsame Projekte den Menschen den Weg zu diesem Frieden der Herzen zu zeigen.

Ein Traum? Ein Traum, den es noch zu verwirklichen gilt!

In einem europäischen Stefan Zweig Projekt? „Why not.“

 


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